aCHORd-Gastbeiträge

Aus der Mitgliederzeitschrift des Sängerkreises Offenbach

Raus auf die Straße – aCHORd Ausgabe 01/2020

Lasst die Chöre sterben – aCHORd Ausgabe 02/2019

Wer sind wir und wen wollen wir? – aCHORd Ausgabe 02/2018

Hallo da draußen – aCHORd Ausgabe 01/2018

Hört auf zu klagen! – aCHORd Ausgabe 2/2017

Crowdfunding für Gesangvereine – aCHORd Ausgabe 01/2017

Raus auf die Straße

Ein Plädoyer für mehr öffentliche Auftritte

Immer wieder fragen mich Verantwortliche von Vereinen, wie sie ihre Öffentlichkeitsarbeit verbessern können. Die Fragen lauten dann: Wie komme ich besser mit den Medien in Kontakt? Wie bringe ich meine örtliche Tageszeitung dazu, mein Konzert anzukündigen und auch darüber zu berichten? Wie kann mir die Öffentlichkeitsarbeit bei der Mitgliedergewinnung helfen oder mich bei der Sponsorenwerbung unterstützen?

Letztlich geht es bei diesen Fragen immer darum, ganz allgemein die Sichtbarkeit des Chores oder des Vereins zu verbessern. Gelingt es, den Chor dauerhaft im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern und ihn bekannt zu machen, dann fallen auch Mitgliedergewinnung, Sponsorenwerbung und der Kontakt zu den Medien leichter. Aber wie schafft man das?

Die Chöre stehen heute viel stärker als früher in Konkurrenz mit anderen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Und diese Angebote sind häufig besser in der Lage, die Aufmerksamkeit der Menschen zu erregen. Das beste Beispiel hierfür ist der Sport mit seinen regelmäßig stattfindenden Wettkämpfen. Durch diese allgemein zugänglichen Veranstaltungen hat er es geschafft, sich einen dauerhaften Platz in der öffentlichen Wahrnehmung zu erobern.

Hier können auch die Chöre und Gesangvereine ansetzen. Die beste Werbung für jeden Chor und den Chorgesang ist das öffentliche Singen. Wenn man als Chor in die Öffentlichkeit geht und singt, kann man dem Publikum und möglichen Mitsängerinnen und Mitsängern am besten zeigen, wie viel Spaß dieses Hobby macht und wie abwechslungsreich und spannend es ist.

Trotzdem beschränken sich viele Chöre darauf, ihre wöchentliche Probe abzuhalten und ein- bis zweimal im Jahr ein Konzert in der örtlichen Veranstaltungshalle zu geben. Die Konzerte sind im Idealfall leidlich gut besucht. Meist trifft man dort aber auf den immer gleichen Personenkreis. In die Proben verirren sich nur in Ausnahmefällen Interessenten. Daran ändern auch die Verteilung von Flyern und Plakataktionen wenig – wenn der Verein etwas in dieser Form überhaupt durchführt.

Viel effektiver verankert man den eigenen Chor im öffentlichen Bewusstsein durch Auftritte. Diese Auftritte müssen keine Konzerte im engeren Sinne sein. Sie müssen auch nicht lange dauern. Es geht «nur» darum, den Chor in der Öffentlichkeit bekannt oder bekannter zu machen. Hierfür sind nicht einmal immer ausgefeilte Konzertprogramme oder künstlerische Höchstleistungen nötig. Viel wichtiger ist es, auf große Reichweite, maximale Aufmerksamkeit und wenn möglich auf den Überraschungseffekt zu setzen.

Warum soll man zum Beispiel immer nur auf selbst organisierten Veranstaltungen auftreten? Vielleicht sucht der örtliche Sportverein eine musikalische Umrahmung für eine seiner Veranstaltungen, für seine Hauptversammlung oder eine akademische Feier. Und natürlich könnte man auch im Rahmen einer Sportveranstaltung auftreten. Wie wäre es mit einem Jubelchor auf der Tribüne für die örtliche Turner-Jugend oder mit einem kleinen Halbzeitkonzert bei einem Handballspiel?

Vielleicht veranstaltet der örtliche Kunstverein eine Ausstellung und sucht noch Programm für die Eröffnung. Vielleicht gibt es die Möglichkeit auf kommunalen Veranstaltungen aufzutreten. Städtische Empfänge, Seniorennachmittage oder ähnliche Ereignisse bieten sich hier an. Und bei solchen Veranstaltungen ist auch fast immer die Presse vor Ort.

Dass Dorffeste eine gute Gelegenheit für Auftritte bieten, muss eigentlich nicht gesondert erwähnt werden. Aber wie wäre es mit einem Konzert auf dem örtlichen Wochenmarkt? Eventuell ist ein großer Teil der Chormitglieder ohnehin anwesend und erledigt seine Einkäufe. Warum sich also nicht zusammenfinden und drei Lieder singen? Solch einen Auftritt könnte man als Flashmob organisieren und so für den entsprechenden Überraschungseffekt sorgen. Oder wie wäre es mit einem kurzen Konzert vor dem örtlichen Supermarkt? Natürlich am Samstagvormittag zur besten Einkaufszeit!

Musik macht erst dann richtig Spaß, wenn man sie öffentlich aufführt und mit anderen teilt. Auf diese Weise kann man sehr gut auch bei anderen die Freude und Begeisterung wecken, die man selbst für die Musik und das Singen empfindet. Deshalb fordere ich von allen Chören: Singt nicht nur in eurem Probenraum und in eurem üblichen Konzertsaal. Geht auf die Straße! Singt dort, wo die Menschen sind. Teilt eure Musik und eure Begeisterung für die Chormusik. Zeigt wie abwechslungsreich, lebendig und spannend das Singen im Chor ist.


ursprünglich erschienen in aCHORd, der Mitgliederzeitschrift des Sängerkreises Offenbach, Ausgabe 1/2020

Lasst die Chöre sterben!

Der traditionelle Gesangverein stirbt aus – und das ist gut!

Immer wieder berichten die Medien über das vermeintliche Chorsterben. Ebenso klagen viele Funktionäre in den Chören und Chorverbänden darüber, dass die Jugend nicht mehr singen möchte und sich niemand mehr in den Vorständen engagieren will.
Tatsächlich finden sich überall im Land Gesangvereine, die überaltern, deren Mitgliederzahlen zurückgehen und die sich dann auflösen. Oft verschwinden dabei Vereine, die auf eine Geschichte von 100 oder mehr Jahren zurückblicken. Besonders betroffen sind ehemals große Männerchöre, die in ihren besten Zeiten mit 50 oder mehr Sängern auf der Bühne standen. Zum Teil ist von diesen Chören kaum noch ein Dutzend Sänger mit einem Altersschnitt jenseits der 70 übrig, die den Zeiten nachtrauern, als man noch regelmäßig Wettbewerbe gewann und an großen Freundschaftssingen teilnahm.
Diese Tendenz kann man nicht nur in Hessen beobachten. Tatsächlich sieht es so aus, dass der traditionelle Gesangverein, der die Chorszene in Deutschland seit den ersten Chorgründungen am Anfang des 19. Jahrhunderts geprägt hat, langsam ausstirbt.

Aber das ist nicht schlimm! Das Sterben dieser Vereine ist nicht nur gut, sondern sogar notwendig. Denn mit ihnen verschwindet hoffentlich eine Geisteshaltung, die eine Weiterentwicklung der Chorszene in Deutschland mehr behindert als vorantreibt.
In vielen Gesangvereinen lautete das Motto über Jahrzehnte „Weiter so!“. Man war und ist der Meinung, was in den vergangenen Jahrzehnten funktioniert hat, muss auch in den kommenden Jahrzehnten gut sein. Für die Sänger und Chorleiter bildet das althergebrachte Repertoire eine Wohlfühlzone. Man hält nur zu gerne an Traditionen fest, die für die Mitglieder das vermeintlich Besondere des Vereins ausmachen. Dabei wird übersehen, dass dieses Festhalten der Grund für Mitgliederschwund und Nachwuchsmangel sind. Als die Vereinschöre vor Jahrzehnten noch groß waren, ignorierten die Verantwortlichen, dass es keinen Nachwuchs mehr gab. Man stand ja noch mit 40 oder mehr Personen auf der Bühne. Man dachte sich, irgendwann werden schon wieder neue Sänger den Weg in den Chor finden. Damals hat man es verpasst, Repertoire, Vereinsleben und Arbeitsweise zu modernisieren. Bis heute lehnen es einige Chöre ab, moderne oder fremdsprachige Musik auch nur in Betracht zu ziehen. Vorstände verweigern sich neuen Ideen und nehmen junge, engagierte Mitglieder nicht ernst, wenn es diese überhaupt gibt. Es ist keine Seltenheit, dass junge Menschen, die sich im Vorstand engagieren wollen, aufgefordert werden, erst einmal ein paar Jahre als z Notenwart das Archiv zu sortieren. Dann würde man sich ihre Vorschläge gerne anhören. Das dies der Motivation nicht gerade zuträglich ist, sollte klar sein.
Leider findet sich diese Einstellung nicht nur bei Funktionären auf der Vereins-Ebene. Auch in den Verbänden ist sie hier und da verbreitet. Tradition wird groß geschrieben, Veränderungen und Neuerungen steht man eher skeptisch gegenüber. Anstatt neue Wege zu suchen, aktuelle Chormusik zeitgemäß in der Öffentlichkeit zu präsentieren, veranstaltet man wie im vergangenen Jahrhundert Freundschafts- und Leistungssingen mit den immer gleichen Chören. In der Öffentlichkeit finden diese Veranstaltungen jedoch nur wenig Beachtung.

Aber während vielerorts die Traditionsvereine dahinsiechen, entstehen überall junge Chöre, die sich dem Spaß am gemeinsamen Singen widmen. Dort probiert man neue Formen der Präsentation aus, lässt sich nicht von vermeintlichen Repertoire-Kategorien einschränken und nimmt auch keine Rücksicht auf unnötige Rituale. Vereinsmeierei und schwerfällige Vorstandsstrukturen findet man hier kaum. Es herrscht eine pragmatische Herangehensweise. Vereinsstrukturen sind nur ein Mittel zum Zweck. Man braucht sie, wenn zum Beispiel Fördermittel eingeworben werden sollen oder wenn sie andere Vorteile bieten. Anfallende Arbeit wird unter den Chormitgliedern nach Neigung, Fähigkeit oder nach verfügbarer Zeit verteilt. Selbst wenn es Vereinsfunktionäre gibt, so verstehen sich diese in erster Linie als Ansprechpartner und Koordinatoren. Bei ihnen laufen organisatorisch die Fäden zusammen, aus denen das Projekt „Chor“ besteht.
Diese Chöre gehen in die Öffentlichkeit, präsentieren Musik mit hoher Qualität und zeigen, wie Spaß am gemeinsamen Singen aussehen kann.

Deshalb sollten wir die überalterten und unflexiblen Traditionschöre sterben lassen. Statt einer Weiterentwicklung findet sich hier nur Stagnation und das Beharren auf überkommenen Ritualen. Lasst uns lieber die jungen Chöre unterstützen und fördern. Sie sind die eigentliche Zukunft der Chorszene. Sie folgen der Definition des Begriffes „Tradition“, die gerne Gustav Mahler zugeschrieben wird: sie schüren die helle Flamme des Chorgesangs, anstatt nur die kalte Asche der Chortradition des 19. Jahrhunderts anzubeten.


ursprünglich erschienen in aCHORd, der Mitgliederzeitschrift des Sängerkreises Offenbach, Ausgabe 2/2019

Wer sind wir und wen wollen wir?

Zielgruppenbestimmung für Chöre

Haben Sie eigentlich schon einmal überlegt, für wen Sie mit Ihrem Chor singen? Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum Sie selbst in einem Chor singen? Und warum sind Sie ausgerechnet Mitglied in genau dem Chor, in dem Sie singen?
Wenn nicht, dann sollten Sie es tun und die Fragen am besten auch gleich einmal in Ihrem Chor und im Vorstand stellen! Hier könnten sich nämlich die Antworten auf viele Fragen finden, die etliche Gesangvereine und Laienchöre immer wieder stellen: Wie erreichen wir ein neues Publikum, wie finden wir neue Sängerinnen und Sänger und wie machen wir unseren Chor attraktiver und damit auch zukunftsfähig?

Die drängendste Frage, die in vielen Chören gestellt wird, ist, wie man neue Mitglieder gewinnen kann. Und leider nur allzu oft mit der Klage verknüpft, der Verein oder Chor habe schon alles mögliche versucht und nichts habe gefruchtet. In einigen Fällen folgt dann noch der Hinweis, dass die jungen Leute von heute kein Interesse mehr am Singen im Chor haben und sich nicht mehr engagieren wollen. Meist ist das in den sogenannten „traditionellen“ Chören der Fall. Aber auch in vermeintlich moderneren Gesangvereinen bekommt man dieses Lied immer wieder einmal zu hören.
Fragt man dann aber nach, welche Anforderungen die gesuchten neuen Sängerinnen und Sänger denn erfüllen sollen, fallen die Antworten meist erschreckend unkonkret aus.
Dabei kann es durchaus hilfreich sein, die Zielgruppe des Chores und auch die eigenen Vorstellungen zumindest ungefähr zu kennen.

Wenn man eine Vorstellung davon hat, wen man ansprechen möchte, dann erleichtert dies zu aller erst die Auswahl des richtigen Kommunikationskanals, des richtigen Mediums. Menschen unter 20 erreicht man besser über die sozialen Netzwerke wie Facebook, Instagram oder Snapchat während man die über 50-Jährigen meist besser mit Artikeln oder Anzeigen in Tageszeitungen ansprechen kann.
Die Suche nach neuen Mitgliedern wird ebenfalls einfacher, wenn man weiß, wen man eigentlich sucht. Dies beginnt mit Altersgruppe oder Geschlecht und endet bei der Frage, welche Bedürfnisse das Singen im Chor bei den Neumitgliedern eigentlich befriedigen soll. Steht für sie oder ihn die musikalische Arbeit im Vordergrund oder ist er oder sie mehr am geselligen Miteinander interessiert?

Auch für den Gegenpol bei der Bestimmung der Zielgruppe sollte diese Frage gestellt werden, also für den Chor selbst. Die aktuellen Chormitglieder sollten wissen, was das Chorsingen für sie attraktiv macht und um was für eine Art von Chor es sich handelt. Es spielt für die Sängerinnen und Sänger nämlich durchaus eine Rolle, ob die Anforderungen, die im Chor gestellt werden, zu ihr oder zu ihm passen. Handelt es sich um einen Leistungschor, bei dem sich die Mitglieder für die Proben intensiv vorbereiten müssen? Gibt der Chor regelmäßig Konzerte, die möglicherweise mit längeren Anfahrten verbunden sind? Oder steht eher die Geselligkeit bei den Chorproben und in deren Anschluss im Vordergrund. Eine Sängerin, die nach musikalischen Herausforderungen sucht und neue Musik kennenlernen will, wird nicht lange in einem Chor bleiben, der sich auf ein eher begrenztes Repertoire konzentriert. Und ein Sänger, der vor allem zur Entspannung einmal in der Woche in die Chorprobe geht, fühlt sich vermutlich in einem Leistungschor mit zahlreichen Probenwochenenden und Reisen zu Wettbewerben nicht wohl.

Ohne Frage hat auch das Repertoire, das im Chor gesungen wird, eine Auswirkung darauf, wer sich einem Chor anschließt. Jemand dessen Herz für die Messen und Oratorien von Händel, Mozart und Mendelssohn schlägt, wird kaum lange in einem Chor singen, der sich vornehmlich mit der Popularmusik des 20. und 21. Jahrhunderts beschäftigt.

Hat man nun zum einen festgestellt, wie der eigene Chor aussieht, und zum anderen, welche Zielgruppe man ansprechen will, kann man versuchen, die jeweiligen Anforderungen und Vorstellungen in Einklang zu bringen. Und spätestens jetzt sollten wir merken, ob und inwieweit die Vorstellungen des Chores und die Anforderungen der gewünschten Zielgruppe übereinstimmen.
Oft wird man auf die ein oder andere Diskrepanz stoßen und Veränderungen vornehmen müssen. Dann muss man entweder die eigenen Vorstellungen von der gewünschten Zielgruppe an den Chor anpassen oder den Chor näher an die Bedürfnisse der gewünschten Zielgruppe heranbringen.
Weder das eine noch das andere ist dramatisch und erst recht nicht unmöglich. Es erfordert aber die Bereitschaft des Chores zur Veränderung – zumindest die Bereitschaft des größten Teils der Mitglieder.

In der Wirtschaft ist die Anpassung von Produkten und Dienstleistungen an die sich verändernden Kundenwünsche an der Tagesordnung. So gibt es den VW Golf inzwischen seit über 40 Jahren und in der siebten Generation. Ein Golf von 2018 hat nur noch wenig mit einem Golf von 1974 gemein. Es ist aber noch immer ein Golf.
Warum also nicht auch dem eigenen Chor ab und zu ein &bdqou;Facelifting“ verpassen und ihn damit fit für die Zukunft machen?


ursprünglich erschienen in aCHORd, der Mitgliederzeitschrift des Sängerkreises Offenbach, Ausgabe 2/2018

Hallo da draußen!

Gedanken zur Öffentlichkeitsarbeit

Eine Frage, die sich bei vielen Chören und Gesangvereinen stellt, ist: Wie mache ich meine Angebote bekannt?

Viele Vereine haben gute Chöre mit hervorragenden Chorleitern. Sie stellen wunderbare Konzertprogramme zusammen und investieren viel Kreativität und Energie in die Gestaltung von Bühnenbildern und Kostümen. Leider bleibt all dies von einer breiteren Öffentlichkeit nur allzu oft weitgehend unbeachtet.

Aber was kann man tun, um die öffentliche Wahrnehmung zu verbessern? Es geht ja nicht nur darum, Karten für das nächste Konzert zu verkaufen. Als Gesangverein will man auch neue Sänger anlocken. Und diese müssen irgendwie von den spannenden Angeboten des Vereins erfahren.
Im lokalen Bereich, im eigenen Ort sind die meisten Vereine hier noch gut aufgestellt. Die Chöre sind bekannt und die örtliche Zeitung berichtet zumindest im Lokalteil über die Veranstaltungen. Aber schon an der Regionalpresse, wenn es darum geht, Veranstaltungen über die eigene Gemeinde hinaus bekannt zu machen, beißen sich die Vereine meist die Zähne aus. Von den überregionalen Medien ganz zu schweigen.

Beim Kontakt zur Presse helfen vor allem Geduld und Beharrlichkeit. Wenn man es immer wieder versucht, hat man irgendwann auch Erfolg.

Verbessern kann man seine Chancen durch persönlichen Kontakt zu den Journalisten. Hat man einmal Kontakt zu einem Reporter oder Redakteur geknüpft, so gilt es diesen pflegen. Es ist nämlich immer besser, eine Meldung oder Einladung direkt an einen Journalisten zu schicken, von dem man weiß, dass er für den entsprechenden Bereich zuständig und eventuell auch daran interessiert ist.

Es ist heute übrigens üblich, Pressemitteilungen per E-Mail zu verschicken. Keine Redaktion will sich mit einer unnötigen Papierflut herumschlagen. Außerdem hat die E-Mail den Vorteil, dass der Text schon in digitaler Form vorliegt und einfach in die redaktionelle Textverarbeitung kopiert werden kann. Aus diesem Grund sollte man den Text auch nicht als Word-Dokument oder PDF-Datei an die Mail anhängen. Aus Angst vor Schadsoftware sind die Mail-Server vieler Redaktionen so eingestellt, dass sie E-Mails mit angehängten Dateien von vornherein ablehnen. Man sollte seine Meldung deshalb einfach in den Text der E-Mail schreiben. Bilder stellt man online zur Verfügung und verlinkt sie in der E-Mail. Bei Bedarf kann sich der Redakteur das Bild dann herunterladen.

Beim Schreiben der Pressemeldung sollte man auf eine präzise und knappe Sprache achten. Komplizierte Schachtelsätze sind nicht angebracht. Vor allem sollte man es vermeiden, zu viele Informationen in eine Meldung zu packen. Man sollte genau überlegen, welches die zentrale Information ist, die man mit der Pressemeldung verbreiten will. Und genau darauf sollte man sich konzentrieren.
Vorlagen für gelungene und weniger gelungene Pressemeldungen findet man im Internet. Gute Quellen sind zum Beispiel die Bundeszentrale für politische Bildung oder die Industrie- und Handelskammern.

Aber auch wenn man sich an diese Vorgaben hält, wird man in den meisten Fällen keine Reaktion erhalten und die Zeitung wird nicht über die Veranstaltung berichten. Davon sollte man sich aber nicht entmutigen lassen. Geduld und Beharrlichkeit sind bei der Pressearbeit leider eine Grundvoraussetzung.

Aber die Presse ist zum Glück nicht der einzige Weg, auf dem Chöre ihre Arbeit bekannt machen können. Das Internet bietet dafür beinahe unbegrenzte Möglichkeiten, sich und seine eigene Arbeit zu präsentieren. Man kann sich auf der eigenen Internetseite selbst darstellen, kann über die sozialen Netzwerke die Arbeit des Vereins darstellen oder die eigenen Auftritte auf einer Videoplattform präsentieren.

Die Eigenpräsentation im Internet hat einen unbestreitbaren Vorteil. Zum einen ist man unabhängig von anderen. Man kann selbst bestimmen, was und wann man etwas veröffentlichen will. Niemand kann dies verhindern oder Inhalte verändern. Außerdem ist die Präsentation im Internet weitgehend kostenlos – sieht man von der Arbeitszeit und den Kosten für das Hosting der Vereinswebsite ab. Aber selbst das Hosting, also den Speicherplatz für den Internetauftritt, gibt es unter bestimmten Bedingungen kostenlos. Auch die Veröffentlichung von Beiträgen in den sozialen Netzwerken kostet nichts außer etwas Zeit und Arbeitskraft.
Gleichzeitig ist dies aber auch der große Nachteil. Man ist selbst dafür verantwortlich, dass man sein Publikum erreicht. Weder in den sozialen Netzwerken noch mit einer Internetseite funktioniert dies über Nacht. Es erfordert Geduld, beständige Arbeit und Kreativität. Das Publikum im Internet will nämlich nicht nur informiert sondern auch unterhalten werden.
Wenn man sich aber darauf einlässt und sich entsprechend engagiert, kann man auf diesem Weg ein größeres Publikum erreichen als über die Presse. Und man kann sich sicher sein, dass diese Publikum auch am Chorsingen interessiert ist.


ursprünglich erschienen in aCHORd, der Mitgliederzeitschrift des Sängerkreises Offenbach, Ausgabe 1/2018

Hört auf, zu klagen!

Was man in der Öffentlichkeitsarbeit vermeiden sollte!

In der Presse kann man es immer wieder lesen: Die Chöre in Deutschland sterben aus. Die Jugend will nicht mehr singen. Und für den Vorstand findet man auch niemanden, weil sich niemand mehr langfristig engagiert.
Die Journalisten denken sich das allerdings nicht aus. Die Verantwortlichen in vielen Gesangvereinen schlagen diese Töne an. Vor allem von Vertretern vieler Traditionschöre hört man es bei jeder sich bietenden Gelegenheit: Der eigene Chor sei kaum noch singfähig. Wenn man nicht schnell Nachwuchs fände, müsse man den Verein mit seiner über 100-jährigen Tradition auflösen.
Die Presse nimmt diese Klagen natürlich nur zu gerne auf. Immerhin gilt nach wie vor der Grundsatz: „Bad news are good news – schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“. Und wenn ein „Kulturgut“ wie der Chorgesang ausstirbt, verkauft sich das natürlich doppelt gut.

Die Absicht der Vereinsverantwortlichen ist klar: Sie wollen Hilfe. Sie möchten wissen, was sie tun sollen, um ihre Vereine zu retten. Vielleicht wollen sie auch potentielle, noch unentschlossene Sängerinnen und Sänger motivieren, sich dem Chor anzuschließen, indem sie ihnen indirekt die Rolle des Retters anbieten.
Aber mal ehrlich: Würden Sie einen Jahresvertrag in einem Fitnessstudio unterschreiben, dessen Betreiber ihnen sagt, dass er sein Studio in drei Monaten schließen muss, wenn er nicht schnell 15 neue Kunden findet? Wohl eher nicht!

Wenn wir Werbung für das Singen im Chor machen, wenn wir neue Sängerinnen und Sänger für unsere Chöre gewinnen wollen, dann müssen wir positive Botschaften vermitteln. Wir wollen die Menschen doch für unser Hobby begeistern. Immerhin ist das Singen im Chor etwas Schönes. Es ist eine angenehme Freizeitgestaltung, mit vielen positiver Facetten. Und das meist zu einem Bruchteil der Kosten, die man für andere Hobbys aufbringen muss.
Für die Mitgliedschaft im Fitnessstudio oder Sportverein bezahlt man im Monat oft mehr als in manchen Gesangvereinen im ganzen Jahr.

Daher sollten wir bei der Werbung für unser Hobby seine positiven Seiten in den Mittelpunkt stellen. Zeigen wir, wie viel Spaß das Singen im Chor macht und wie gut man dort neue Leute kennenlernt. In manchen Chören sollen Menschen schon den Partner oder die Partnerin fürs Leben gefunden haben.
Keinesfalls sollten wir in der Öffentlichkeit über die Eigenheiten des Chorleiters und die mangelnde Disziplin der anderen Chormitglieder schimpfen. Und niemals sollten wir darüber klagen, wie verzweifelt die Situation in unserem Chor ist. Niemand steigt freiwillig auf ein sinkendes Schiff.

Und es ist auch nicht wirklich so, dass junge Menschen kein Interesse am Chorgesang haben.
Ja, es gibt Chöre mit Schwierigkeiten. Es gibt Chöre, die überaltern und keinen Nachwuchs finden. Und die Zahl der Sängerinnen und Sänger in den Gesangvereinen ist in den letzten Jahren zurückgegangen.
Gleichzeitig werden aber überall neue Chöre gegründet. Junge Menschen schließen sich zu informellen Gesangsgruppen zusammen. Und überall boomen die Mitsingformate wie das „Rudelsingen“ oder Veranstaltungen wie „YouSing“.
Tatsächlich gibt es auch Chöre und Gesangvereine, denen es gelingt, neue Mitglieder anzulocken und Nachwuchs zu binden. Es gibt sogar Chöre, die es sich leisten können, Bewerber abzulehnen oder Wartelisten für neue Sängerinnen und Sänger zu führen.
In solchen Chören hat man sich Gedanken über attraktive Angebote gemacht und in Qualität investiert. Niemals hat man sich auf ein „Weiter so!“ verlassen. Immer ist man den jungen Sängerinnen und Sängern, die den Verein in Zukunft am Leben erhalten sollen, ein Stück weit entgegen gekommen.

Lass Sie uns also aufhören darüber zu klagen, wie schlecht es manchen Chören geht. Lassen Sie uns prüfen, was das Singen im Chor attraktiv macht und welche attraktiven Angebote wir den jungen Sängerinnen und Sängern machen können. Und lassen Sie uns mit positiven Nachrichten für den Chorgesang werben.


ursprünglich erschienen in aCHORd, der Mitgliederzeitschrift des Sängerkreises Offenbach, Ausgabe 2/2017

Crowdfunding für Gesangvereine

Die vernachlässigten Fördermitglieder

Crowdfunding ist in aller Munde. Man versteht darunter die Finanzierung von Projekten durch eine mehr oder weniger große Gruppe von Menschen. Diese geben dem Projekt im Voraus Geld und erhalten dafür das fertige Produkt oder können an der Dienstleitung teilhaben. Das Spektrum reicht dabei üblicher Weise von Musikaufnahmen über Bücher und Filme bis hin zu technischen Geräten. Aber auch Firmen sammeln sich ihre Startfinanzierung auf diesem Wege ein.
Populär wurde das Crowdfunding in den letzten Jahren durch das Internet. Online kann man viel einfacher eine große Menge von Menschen erreichen und dann mit einer entsprechenden Präsentation zu Fans und Unterstützern machen.
Auch Chöre nutzen diese Möglichkeiten. So finanziert die Camerata Musica Limburg ihre Schubert-Gesamtaufnahme mittels Crowdfunding. Und auch das Ensemble Vocapella hat das Geld für seine Aufnahme aller Werke für Männerchor von Max Reger über das Internet eingesammelt.
Dabei ist diese Idee nicht wirklich neu. Bereits Mozart und Beethoven nutzten die sogenannte Subskription, um Konzerte und Notenausgaben zu finanzieren. Und auch in (Gesang-)Vereinen kennt man eine Art dieser „Massenfinanzierung“. Allerdings ist sie hier langfristiger angelegt und nicht mit einem speziellen Projekt verknüpft. Gemeint sind die sogenannten passiven oder fördernden Vereinsmitglieder.

Natürlich sind die aktiven Sängerinnen und Sänger wichtig für den Bestand eines Chores. Aber leider haben viele Gesangvereine Schwierigkeiten mit der Finanzierung ihres Singbetriebs. Da kann es sinnvoll sein, sich verstärkt den nicht-singenden Mitgliedern zu widmen und um neue Förderer zu werben.
Das Internet ist hierbei leider nur bedingt hilfreich. Man kann es zwar als Unterstützung nutzen, um den eigenen Verein attraktiv zu präsentieren. Allein aufgrund einer gut gestalteten Internetseite wird sich aber niemand als Fördermitglied einem Verein anschließen. Hier ist vielmehr die persönliche Ansprache gefragt. Familienmitglieder, Freunde, Verwandte und Bekannte können angesprochen und als Fördermitglieder gewonnen werden. Hier kann jedes einzelne Vereinsmitglied einen Beitrag leisten.

Irgendwann wird sich ein passives Mitglied allerdings die Frage stellen: „Was habe ich von meinem finanziellen Engagement?“

Bei aktiven Sängern ist diese Frage recht leicht zu beantworten. Sie finanzieren ja ganz direkt die Leistungen, die sie in Anspruch nehmen. Dazu gehören zum Beispiel der Chorleiter, die Anschaffung von Noten, das Vereinsheim oder der Probenraum.
Die passiven Mitglieder nutzen diese Leistungen nicht. Und ob die „Ehre“ der Förderung von Kultur und Tradition auf Dauer einen Anreiz bietet, ist fraglich.

Bei Projektfinanzierungen im Internet erhalten die Unterstützer meist das fertige Produkt. Dies kann zum Beispiel eine CD oder ein Buch sein. Hat der Unterstützer mehr Geld investiert, signieren der Autor oder die Musiker das Werk. Oder der Geldgeber wird zu einem Konzert eingeladen.

Auch Gesangvereine sollten sich überlegen, wie sie sich bei ihren Fördermitgliedern bedanken können. Die Möglichkeiten sind vielfältig, sollten aber zum Chor und seinen Unterstützern passen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem speziellen T-Shirt für die Förderer? Oder ein spezieller Empfang vor oder nach dem Jahreskonzert? Vielleicht gibt es ein spezielles Konzert nur für die Fördermitglieder?
Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist aber, dass man sich etwas Besonderes ausdenkt. Freier Eintritt zu einem Konzert bei dem ohnehin nur um Spenden gebeten wird, ist kein Anreiz.

In vielen Vereinen werden die passiven Mitglieder vernachlässigt. Aber hier bietet sich den Vereinen die Möglichkeit, eine Geldquelle anzuzapfen. Und auch wenn jedes passive Mitglied nur einen kleinen Beitrag zur Finanzierung des Chores leistet, kann durch die Menge der Geldgeber doch ein stattlicher Betrag zusammen kommen.


ursprünglich erschienen in aCHORd, der Mitgliederzeitschrift des Sängerkreises Offenbach, Ausgabe 1/2017